Mykoprotein-Hersteller im Überblick

Von Quorn bis zur B2B-Zutat: wer Mykoprotein herstellt, wer nur ankündigt – und welche Transparenzlücken auffallen.

Reihe unbeschrifteter Edelstahl-Fermentationstanks in einem hellen Lebensmittellabor KI-generiert

Kurz gesagt: Der Mykoprotein-Markt hat drei Etagen: etablierte Produktmarken (Quorn seit 1985, Revo Foods aus Wien), junge D2C-Anbieter (Kwint aus Bayern mit reinem Myzel-Pulver) – und eine wachsende B2B-Ebene, die Zutaten für andere herstellt (The Protein Brewery, ENOUGH, Enifer, Infinite Roots). Die meisten Kapazitäten entstehen gerade erst; mehrere Zutaten stecken noch im EU-Zulassungsverfahren.

Produktmarken: was heute im Regal liegt

Quorn (Marlow Foods, UK) ist der Pionier und Marktführer – Mykoprotein aus Fusarium venenatum, seit 1985 auf dem Markt. Das ausführliche Porträt steht auf der Quorn-Seite.

Revo Foods (Wien) kombiniert Mykoprotein mit 3D-Strukturierung, vor allem für Fischalternativen („El Blanco“ mit 42,8 % Mykoprotein, „The Filet“ mit 32,8 %) und eine Hack-Alternative („Minced Fungi Protein“, 30 % Mykoprotein plus Erbsen- und Favabohnenprotein). Auffällig: Woher das Mykoprotein stammt – eigene Fermentation oder Zukauf –, stand am Prüftag nirgends auf der Website. Im deutschen Handel ist zusätzlich ein „Pilzprotein Hack“ mit deklarierten 89 % Mykoprotein gelistet, das im eigenen Revo-Shop nicht existiert – ein dokumentierter Widerspruch, den wir nicht auflösen können (Stand 31.08.2026).

Kwint (B&F Ideation GmbH, Burgheim) verkauft als erster deutscher Anbieter reines Mykoprotein-Pulver direkt an Endkunden: 100 % Fusarium-venenatum-Myzel, deklarierte 55 g Protein und 35 g Ballaststoffe je 100 g. Wo fermentiert wird, nennt die Website nicht („vollständig in Europa“).

Die B2B-Ebene: Zutaten für andere

Zutaten-Hersteller im Überblick (Stand 31.08.2026)
UnternehmenZutat / OrganismusStand
The Protein Brewery (Breda, NL)Fermotein – Myzel von Rhizomucor pusillusAls erste Myzel-Zutat in der EU zugelassen (26.07.2026), exklusiv bis 2031; B2B, noch keine Endprodukte angekündigt
ENOUGH (Glasgow / Sas van Gent, NL)Abunda – Organismus auf der Website nicht benanntB2B-Zutat („complete protein … rich in fibre“, Herstellerangabe); Presse berichtet über Cargill-Partnerschaft und Kapazitätsausbau – amtlich/herstellerseitig nicht belegt
Enifer (Finnland)PEKILO – historischer Futtermittel-Prozess, reaktiviert50 % Protein / 35 % Ballaststoffe (Herstellerangabe); EU-Novel-Food-Antrag seit Oktober 2024 in Prüfung
Infinite Roots (Hamburg)Myzel-Basis, Organismus je Produkt gewählt („2300+ Arten“)B2B; meldet Foodservice-Start und Partnerschaften (u. a. REWE, Pulmuone, Herstellerangabe)
Kynda (Jelmstorf)Mykoprotein aus Nebenströmen (Presseangaben)Keine offizielle Website auffindbar (31.08.2026) – alle Angaben sind Presseberichte, entsprechend vorsichtig zu lesen
Nature's Fynd / Fynder Group (USA)Fy – Fusarium sp. flavolapisEU-Verfahren mit negativem EFSA-Gutachten 2025; US-Website zum B2B-Portal umgebaut, Konsumprodukte nicht mehr gelistet
Meati (USA)Myzel-Schnitzel/-Steaks („Up to 98% Mycelium“)Nur USA – keine EU-Verfügbarkeit und keine EU-Zulassung

Tabelle seitlich scrollbar →

Angaben von den Hersteller-Websites, abgerufen am 31.08.2026; als Presseangabe gekennzeichnete Punkte sind nicht herstellerseitig belegt.

Wie man diesen Markt lesen sollte

Drei Muster fallen auf. Erstens: Die Zulassung ist der Flaschenhals. Wer eine neue Zutat hat, wartet Jahre auf das EU-Verfahren (Stand je Zutat) – deshalb bauen viele zuerst für Futtermittel, USA oder B2B. Zweitens: Transparenzlücken sind normal. Mehrere Anbieter nennen ihren Organismus oder Fermentationspartner nicht; wir dokumentieren solche Lücken, statt sie zu füllen. Drittens: Die Kapazitäten entstehen jetzt. Zulassung, Fabrikbau und Handelslistungen der Jahre 2026/2027 werden entscheiden, ob Mykoprotein eine Nische bleibt oder eine Kategorie wird.

Stand: 31. August 2026 · Wir aktualisieren diese Seite, wenn sich die Zulassungs- oder die Studienlage ändert.

Häufige Fragen

Wer stellt Mykoprotein in Deutschland her?

Produziert wird vor allem im Ausland (Quorn in UK, Revo in Österreich). In Deutschland sitzt der D2C-Anbieter Kwint (Burgheim), der seinen Fermentationsstandort nicht nennt; Infinite Roots (Hamburg) arbeitet B2B, und über eine Kynda-Anlage in Niedersachsen berichtet bislang nur die Presse.

Was ist der Unterschied zwischen Quorn und Fermotein?

Zwei verschiedene Zutaten: Quorn-Mykoprotein stammt aus Fusarium venenatum und ist seit 1985 am Markt (kein Novel Food); Fermotein ist Myzel von Rhizomucor pusillus, 2026 als Novel Food zugelassen und bis 2031 exklusiv beim Hersteller The Protein Brewery.

Kann ich Fermotein oder PEKILO kaufen?

Nicht direkt: Beide sind B2B-Zutaten. Fermotein darf seit Juli 2026 in bestimmten Produktkategorien eingesetzt werden – Endprodukte damit waren am 31.08.2026 noch nicht angekündigt. PEKILO wartet auf die EU-Zulassung.

Quellen

Diese Seite stützt sich auf die folgenden Quellen. Alle Angaben wurden zum genannten Prüfdatum gegen den dort dokumentierten Stand geprüft.

  1. Prozess- und Produktangaben von Marlow Foods (Herstellerangaben, quorn.co.uk, abgerufen am 31.08.2026; quorn.de war am Prüftag nicht erreichbar)
    https://www.quorn.co.uk/mycoprotein
  2. Produktangaben von Revo Foods (Herstellerangaben, shop-revo-foods.com, abgerufen am 31.08.2026)
    https://shop-revo-foods.com/products/minced-fungi-protein
  3. Produktangaben von Kwint / B&F Ideation GmbH (Herstellerangaben, get-kwint.com, abgerufen am 31.08.2026)
    https://www.get-kwint.com/products/kwint-mykoprotein
  4. Angaben von The Protein Brewery zu Fermotein (Herstellerangaben, theproteinbrewery.com, abgerufen am 31.08.2026)
    https://www.theproteinbrewery.com/fermotein
  5. Angaben von Enifer zu PEKILO (Herstellerangaben, enifer.com, abgerufen am 31.08.2026)
    https://enifer.com/products/pekilo
  6. Durchführungsverordnung (EU) 2026/1507 (EUR-Lex, geprüft am 31.08.2026)
    https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32026R1507

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